Hartmut Engler: Angst vor der Angst

Engler über Karriere und Krallen

Seit 40 Jahren steht die Band Pur auf der Bühne. In der NDR Talkshow sprach Frontmann Hartmut Engler über Krallen, voll sein und seine Angst vor der Angst.


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Beständig, publikumsnah, ausgezeichnet – für die Band Pur gibt es so viele Attribute.
Hartmut, Du wolltest eigentlich schon im November in der NDR Talkshow zu Gast sein. Dein Kater Neo verhinderte Deinen Besuch. Erklär uns doch bitte nochmal, wie ein Kater einen Talkshow-Auftritt verhindern kann!

Hatmut Engler lächelt und beginnt zu erzählen: “Nicht nur einen Talkshow-Auftritt, sondern eine ganze Promotiontour für’s neue Album. Das sollte eigentlich eine große Aktion mit vielen Terminen werden.
Im Hause Engler war viel Trubel. Ein bisschen Umbau, ein paar Übernachtungsgäste, und ich dachte mir, der Kater ist da so einsam in seiner Ecke. Ich hab ihn mir auf den Schoß geholt und hab versucht, Neo etwas zu beruhigen. Das fand er nicht so gut”,
fügt Hartmut schmunzelnd hinzu. “Ich hätte es wissen müssen. Er stieß mich einmal weg. Er stieß mich ein zweites Mal weg. Beim zweiten Mal erwischte Neo mich mit der Kralle direkt im Auge. Es spritzte, und ich konnte auf dem Auge nichts mehr sehen.”

Habt Ihr Euch wieder vertragen?

“Unfassbare Nummer. Bereits am nächsten Tag hatte er begriffen, dass es wohl nicht die beste Aktion war.
Ich musste einige Tage im verdunkelten Zimmer verbringen, damit die Pupille nicht nach allen Richtungen immer mitgeht. Zu meinen Glück hat man mir dann eröffnet, dass ich ohne OP auskomme. Mittlerweile ist alles gut und verheilt.”

Der Talk wurde unterbrochen, und der Pur-Frontmann sang den neuen Titel “Voll sein” aus dem PUR-Album “Persönlich” zur Freude der Talkshowbesucher.

Deine Stimme ist einfach unverkennbar. Es ist einfach Pur, stellte Moderator Johannes Wimmer fest. Und das seit über 40 Jahren…

“Wenn man nichts Anderes kann”, witzelt Hartmut, der mit seiner Band weit über 10 Millionen Tonträger verkauft hat, bescheiden, “muss man aufpassen, dass das Konzept aufgeht.”

Wir lernen uns alle, bevor wir ins Studio gehen, in einer kleinen Vorstellungsrunde kennen. Du hast Dich als Fußballfan vorgestellt und gesagt, dass Du auch ein bisschen singen kannst. Du hast aber auch was sehr Beachtliches gesagt: Du bist durch Deinen Gesang so in Deiner eigenen Welt, dass Du dich darauf freust, in der Talkrunde auch mal andere Menschen kennenzulernen.

“Das stimmt. Mir tut das total gut, neue Menschen kennenzulernen und ihre Geschichten zu hören.
Ich wohne immer noch da, wo ich aufgewachsen bin. Meine Freunde kenne ich alle schon sehr lange. Dadurch bin ich ein wenig in meiner ‘Blase’ drin. Es ist immer wieder spannend, was über andere Menschen zu erfahren, vor allem die spannenden Geschichten, die sie zu erzählen haben. Davon nehme ich für mich ziemlich viel mit nach Hause.”

Hartmut Engler, Sänger von PUR, ©Fracasso
Hartmut Engler, Sänger von PUR, ©Fracasso

Wenn man den Titel “Voll sein” liest, stellt man sich zuerst etwas anderes vor…

Lacht. “Es wird bei ‘Voll sein’ bewusst mit dieser Mehrdeutigkeit gespielt. Das hast einen Riesenspaß gemacht. Ich hab den Jungs gesagt: ‘Ich hab da einen neuen Text geschrieben, und der heißt “Voll sein, richtig voll sein”.’

Als Antwort bekam ich ein wenig begeistertes ‘toll’. Als sie dann den ganzen Text mit dem ‘wundervoll’ hörten, relativierte sich der erste Gedanke. Voll sein bezieht sich auf voller Freude, voller Liebe sein. Darum geht es in dem Text. Ich wollte das ‘Vollsein’ als Hauptwort verstanden wissen, bezogen auf das volle Sein.

Das Lied ist angelehnt an die Zeit, in der wir alle nicht viel machen durften. Ich wollte einfach das Gefühl haben, wieder voll da zu sein, endlich wieder alles zu vergessen – die ganzen Phrasen und Reglementierungen, einfach alles, was einen behindert hat, emotional und in dem, was man tun will.
Was da passiert ist, war vieles sicher auch richtig…”

Viele Menschen hatten während der Pandemie schwierige Zeiten. Musiker traf es schwer. Deshalb ist es auch legitim, zu sagen, dass es für Euch nicht leicht war…

“Es war nicht leicht, weil wir da auch auf einer privilegierten Ebene unterwegs sind.
Wir gehen jetzt im April und Mai wieder auf Tour. Die Menschen haben uns nicht vergessen. Unsere ganze Tour ist quasi ausverkauft. Das ist ein wunderschönes Revival für uns.”

Die Moderatoren des NDR-Talks mit Hartmut Engler: Bettina Tietjen und Johannes Wimmer, Foto: Fracasso

Den Titel “Voll sein” hast Du geschrieben, als Du, wie sagt man, aus einer Schaffenskrise gekommen bist. Ist das der richtige Begriff? Es gab eine Zeit, da fiel es Dir nicht ganz so leicht…

“Es war die Zeit, in der man kein Ziel hatte. Wir wussten nicht so richtig, wann geht es wie weiter, oder wann geht es überhaupt weiter. Oder ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, wo wir uns schon mit der Rente auseinandersetzen müssen?

Dann gab es noch ein paar Signale. Das neue Album sollte kommen. Wir wollten ein paar Open-Air-Konzerte spielen letzten Sommer auf Schalke. Wir haben uns alle darauf gefreut, und in dem Moment wusste ich, dass ich wieder arbeiten will. Dann kam die Angst, dass mir nichts einfällt.”

Hat das alles wirklich dazu geführt, dass nichts Neues entstanden ist?

“Nein. Es war eher die Angst vor der Schreibblockade, die Angst vor der Angst.
Ich arbeite zuhause in einem schönen Pavillon weit ab vom Haus.
Wenn ich dort runtergehe, dann weiß ich, das ich heute arbeiten will und dass ich heute Abend meiner Freundin einen schönen Text, den ich geschrieben habe, servieren will.
Und wenn mir da nichts einfällt, dann ist es kein guter Tag.”

Du gibst Dir da selbst einen Zeitflur vor, in dem was entstehen muss…
Deinen Pavillon nennst Du Dein “Hirnhäusle”…?

“Ja, das Hirnhäusle. So haben die Fans den Pavillon liebevoll getauft. Weil da gehirnt wird. Ich habe das irgendwann mal erzählt und habe ein tolles großes Holzschild geschenkt bekommen. Das haben Fans angefertigt, und das hängt da jetzt.”

Die Fans sind Dir/Euch sehr wichtig…

“Ja. Die Fans sind die, die in die Konzerte kommen, die mein Leben bezahlen. Being Hartmut Engler, being Pur, wär bestimmt eine tolle Sache, aber es muss ja irgendwie auch funktionieren. Dafür sind die Leute zuständig, die unsere Musik mögen, die uns mögen und die das rausziehen, was wir reinstecken.”

Es geht natürlich nicht nur um Fans. Du bist da geblieben, wo Du aufgewachsen bist. Du hast noch Deine Freunde von früher. Auf dem neuen Album “Persönlich” gibt es noch einen weiteren Song, der “Im Pool” heißt. Nimmst Du auch was aus der heutigen Sendung mit und verarbeitest es im Hirnhäusle?

“Das kann schon sein. Ich haue ja niemanden in die Pfanne. Es sind ja immer schöne Lieder. Dieses “Im Pool” ist tatsächlich zurückzuführen auf das Jahr 1996.

Wir hatten ‘Abenteuerland’, das ein Riesenerfolg war. Wir freuten uns natürlich, weil damit auch Geld kam. Wir buchten also einen tollen Urlaub, und ich saß im Pool mit einem richtig guten Freund. Da habe ich diesen Spruch kreiert: ‘Es kann einem auch schlechter gut gehen.’

Dieser Spruch verfolgt mich seitdem. Ich wollte ihn auf T-Shirts drucken usw. Jetzt habe ich ein Lied daraus gemacht, dass ich im letzten Jahr, nach 25 Jahren, wieder mit meinem Freund in diesem Pool saß. In dem Lied geht es darum, dass wir in 25 Jahren wiederum gemeinsam in diesem Pool sitzen wollen.
Wenn man das dann hochrechnet
…”

Das Album “Abenteuerland” aus dem Jahre 1995 war 72 Wochen auf Platz 1 der deutschen Charts.

Eure Konzerte sind unglaublich. Was Ihr mit den Leuten macht,…

Ein Konzertausschnitt vom Song “Kein Krieg” wird gezeigt. Ein Großteil des Publikums schwingt weiße Tücher in der Luft.

“Das war nicht etwa ein geplanter Flashmob. Wir haben so viele sensible Menschen in unserem Publikum. Die wissen, wenn die Jungs ‘Kein Krieg’ spielen, dann wissen wir, was wir tun. Sie holen weiße Tücher raus.
Das war das vierte Stück bei dem Konzert auf Schalke. Ich stand da und hatte Pipi in den Augen.

Vieles initiiere ich ja. Ich treibe die Menschen an, fordere sie auf mitzusingen. Aber damit hatte ich nichts zu tun. Und plötzlich war das ganze Stadion voller weißer Tücher.”

Photo: Ralph Larmann

Im April geht Ihr wieder auf Tour. Kriegt der Kater die Krallen geschnitten, oder kommt Neo in den Pavillon?

“Lieber Neo, wenn du zuhause zuschauen solltest”, witzelt Hartmut, “es war meine Schuld. Du konntest nichts dafür. Du warst brav.”

Und der Kater schleift zuhause schon die Krallen: “Komm du mir nach Hause”, sagt er sich.
Begleitet Dich Deine Freundin auf der Tour?

“Ja. Ich hab das sehr gerne, wenn sie sich frei nimmt und mit mir unterwegs ist. Über viele Jahre hab ich die Erfahrung gemacht, dass abheben und losfliegen gut geht, aber landen ist schwierig. Mir fielen häufig die Landungen schwer. Wenn dann jemand bei mir ist, der mir beim landen bzw. runterkommen hilft, dann tut mir das gut.”

Restkarten für die Tour 2023 gibt es noch, unter anderem für:

21.04.2023: Oldenburg
22.04.2023: Hannover
26.04.2023: Mannheim
29.04.2023: Berlin
30.04.2023: Hamburg

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