Christian Keltermann: Wenn 29 Sekunden das Leben verändern

Wird jetzt das Opfer zum Täter?

Es ist schon spannend, womit sich deutsche, angeblich überlastete, Gerichte beschäftigen. In seinem kabarettistischen Programm betitelt Christian Keltermann Anna-Carina Woitschack als “Schlagermatratze”. Ihr geht das zu weit.


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Keltermann ist zu einem klärenden Gespräch bereit. Woitschack sagte laut Keltermann zu jemandem, dass sie Angst vor seinen Angriffen habe. Sie soll sogar gesagt haben, sie hätte Angst, dass er sie umbringt. Wird hier das beschimpfte Opfer zur Täterin? Eines ist Anna-Carina Woitschack auf jeden Fall gelungen. Mit der Einreichung ihrer Unterlassungsklage hat sie ausreichend Medienpräsenz erlangt.

Gestern gegen 14.00 Uhr herrschte buntes Treiben vor dem Landgericht in Hannover. Von RTL bis zu den öffentlich-rechtlichen Sendern tummelte sich gestern alles in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Jeder Sender, jedes Blatt der Yellowpress war vor Ort, um ein Statement der Streithähne zu erhaschen.

Wer nicht vor Ort war, war Anna-Carina Woitschack. Die klagende Partei wurde lediglich durch ihren Rechtsbeistand vertreten. Ein persönliches Erscheinen war nicht angeordnet.

Der beklagte Keltermann erschien ohne Rechtsbeistand vor der 18. Zivilkammer. Nicht zulässig, da vor dem Landgericht Anwaltszwang herrscht. Die Klägerseite beantragte, ein Versäumnisurteil zu erlassen. Dieses soll laut Gerichtssprecherin im Namen des Volkes verkündet werden.

Schauen wir uns die Fakten noch einmal genauer an:
“Idiotikum Akut – Kabarett auch politisch”, so heißt das kabarettistische Progamm von Christian Keltermann, in dem er ganze 29 Sekunden über Anna-Carina Woitschack sprach und sie als “Schlagermatratze” betitelte.

Gestern war die bereits einmal vertagte Gerichtsverhandlung, zu der Keltermann ohne Anwalt erschien.
Der Kabarettist ist an einer Einigung mit der Schlagersängerin interessiert. Schlagerzeile wollte es genauer wissen und schrieb ihn gestern an. Keltermann bat daraufhin die Redaktion um ein Telefonat. Diesem Wunsch sind wir nachgekommen.

Gleich am Anfang des Gespräches betont Keltermann:

“Ich habe nichts gegen Anna-Carina Woitschack. Sie hat mir nichts getan. Wir kennen uns sogar persönlich, auch, wenn sie es abstreitet.

Christian Keltermann

Gestern in einem Gespräch habe ich auch ihrem Anwalt erzählt, dass wir uns seit mehreren Jahren kennen, aber in letzter Zeit keinen Kontakt mehr hatten.”

Keltermann holt tief Luft und betont nochmals: “Ich wollte ihr persönlich nichts tun! Und wenn sie jetzt schreibt, sie schläft nachts nicht und wacht auf, das wollte ich unter keinen Umständen.”

Doch es kommt angeblich noch dicker: “Anna-Carina hätte wohl zu jemandem gesagt, sie hat Angst, dass ich sie umbringe.”

Ging der ehemaligen DSDS-Teilnehmerin die Betitelung als “Schlagermatratze” zu weit, die Stefan Mross nur geheiratet habe, um ihre Karriere voranzutreiben, findet Keltermann, dass Anna-Carina ihrerseits mit solchen Aussagen zu weit geht.

“Sie kommt ja ursprünglich aus Stendal. Dort hat sie mit ihrer Familie gewohnt. Daher kenne ich ihre Eltern, ihren Vater mit seinem Puppentheater. Ihre Karriere verfolge ich schon die ganze Zeit, da ich damals in Stendal eine Comedy-Show moderiert habe.

Ich war schon immer begeistert von dem Puppentheater. Mich hat es fasziniert, dass sich Anna-Carina bei DSDS mit einer Puppe vor Dieter Bohlen hinstellte und nicht gleich anfing zu singen.

Ich fand es toll, dass sie erstmal von dem Familienunternehmen berichtete. Ich hatte eine Lebensgefährtin in Stendal, bei der sie häufig auftrat. Es war nicht meine Absicht, ihr weh zu tun. Es ist eben mein Job, Kabarett zu machen, und da sollte sie drüber stehen.”

Mitterweile erhält der Kabarettist nach eigener Aussage sogar Rückendeckung von Schlagerkollegen, die gesagt haben, dass Woitschack jetzt mit Stefan Mross durch ist und wieder Medienpräsenz braucht.

Trotz der harten Anschuldigungen der Klägerin ist Keltermann gesprächsbereit: “Ich bin gesprächsbereit. Ich bin bereit, solche Aussagen nicht mehr zu treffen. Aber solche Gespräche würde ich gerne persönlich führen und nicht nur über ihren Anwalt, Wenn dann noch behauptet wird, dass ich sie umbringen möchte, geht das zu weit!”

Auf die Frage warum er zur Verhandlung ohne Rechtsbeistand erschien, antwortet Keltermann: “Ich wusste schlichtweg nicht, dass eine Anwaltspflicht bestand, und wurde auch nicht darüber informiert.”

Dann seine Bitte, folgendes zu erwähnen: “Laut der Richterin sei ich am 17. Februar darüber informiert worden. Am 17. Februar ist mir ein gelber Brief vom Landgericht zugesandt worden. Den hatte ich allerdings gestern, am 21.02, im Briefkasten, also am Verhandlungstag.

Da ich schon morgens um 10.30 Uhr den ersten Fernsehtermin mit einem namhaften Privatsender hatte, war ich nicht zuhause. Den Brief habe ich daher erst nach der Verhandlung lesen können. Und da war es zu spät!”
Der Brief wurde Keltermann demnach nicht fristgerecht zugestellt. Dabei hat dieser einen Anwalt in der Familie: “Mein Cousin aus Bad Fallingbostel ist Rechtsanwalt. Er vertritt mich.”

Der Kabarettist ist schon etwas verzweifelt: “Und am Montag geht alles weiter. Als hätte ich sonst nichts zu tun.” Er tourt gerade mit seinem Programm durch Deutschland, schreibt an einem Buch, dessen Abgabetermin nächsten Monat ist, und sein Kindermusical steht ebenfalls kurz vor der Abgabe.

“Es ist im Moment tatsächlich etwas viel. Wenn man dann noch den ganzen Tag mit Medien telefonieren muss, bleibt kaum Zeit.” Der Briefkasten ist voll, und das Telefon steht nicht mehr still.

Der Prozess wurde bereits einmal verschoben – auf Wunsch der Klägerin. “Am 14.02. war Anna-Carina verhindert, teilte sie dem Gericht mit. Angeblich hätte sie an diesem Tag Auftritte im Saarland gehabt. Sie befand sich aber mit ihrem Freund Daniel im Urlaub in der Dominikanischen Republik.”

Umso verwunderlicher, dass sie zum neuen Termin nicht persönlich erschien.

Auf das Angebot, mit ihr sprechen zu wollen, bekam Keltermann folgende Antwort: “Der Anwalt sagte mir, dass er mit seiner Mandantin spricht. Ich sollte dann heute Vormittag einen Rückruf erhalten, der ausblieb.”

Das Ganze schlägt für den Kabarettisten, der auch Redakteur einer Wrestling-Zeitschrift ist, noch viel höhere Wellen: “Am Samstag ist eine Show in Linz, die ich als Redakteur besuchen sollte. Frau Woitschack wohnt in Linz bei ihrem neuen Freund.

Ich soll ihr nicht folgen, sagte ihr Anwalt. Der Chefredakteur möchte aber, dass ich vor Ort über die Catch-Veranstaltung berichte (power-wrestling.com). So wie es aussieht, muss ein anderer Redakteur diese Veranstaltung übernehmen. Soweit darf Anna-Carina nicht in mein Leben eingreifen.”

Keltermann befürchtet, dass ein Versäumnisurteil erlassen wird. “Sollte es dazu kommen, lege ich Rechtsmittel gegen das Gericht ein und nicht gegen Frau Woitschack. Es gilt wohl nicht in allen Fällen eine Anwaltspflicht vor dem Landgericht.”

Laut dem Beschuldigten soll eine Anwaltspflicht bei einem Streitwert von unter 6.000 Euro entfallen. “Der vorhin genannte Brief hat mich nicht fristgerecht erreicht. Mein Cousin hat noch gesagt: ‘Komm her, ich verteidige dich.’ Ich hab’ gesagt, dass ich niemanden brauche.”

Bei den Gerichten laufe einiges schief, hörte Keltermann von seinem Cousin. “Es müssen teilweise Schwerverbrecher nach 6 Monaten wieder laufen gelassen werden, weil sie es nicht in der Frist geschafft haben, sie rechtskräftig zu verurteilen. Und wegen eurer Scheiße müssen wir uns hinsetzen!”

Dieser Satz kann unkommentiert so mal stehengelassen werden.

Auch Kabarettistenkollegen, die Stellung beziehen wollten, zogen sich, als der Medienrummel zu groß wurde, zurück.

Nächstes Jahr hat Keltermann sein 25-jähriges Bühnenjubiläum. Derzeit arbeitet er noch an dem Programm “Deutschland erwache”. Geht der Stress so weiter, kann die Gerichtsverhandlung einen Großteil des Programms einnehmen…

–> mehr:

Anna-Carina Woitschack vs. Christian Keltermann

Anna-Carina Woitschack: Darf man “Schlagermatratze” sagen?

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